Kynos Verlag - Gewaltfrei und evidenzbasiert: Modernes Hundetraining mit dem Kynos Verlag
Shownotes
Einleitung
Die neueste Episode unseres Podcasts widmet sich der gewaltfreien und evidenzbasierten Hundeerziehung. Anlass ist eine Kampagne des Kynos Verlags, die mit einer Vielzahl von Expertenperspektiven den Trend zu härteren Erziehungsmethoden hinterfragt.
Gewaltfreie Hundeerziehung als Kampagne
Der Kynos Verlag, bekannt für seine Fachpublikationen zu Hundetraining, hat eine Kampagne gestartet, um gewaltfreies und evidenzbasiertes Hundetraining zu fördern. Dies geschah im Rahmen der Buchmesse in Frankfurt als Reaktion auf die vermehrte Rückkehr zu gewaltsameren Trainingsmethoden.
Definition von Gewalt im Umgang mit Hunden
Dr. Sandra Foltin, Psychologin und Autorin des Buches "Macht, Nähe, Gewalt", erklärt, dass Gewalt nicht nur physischer Natur ist. Auch psychische und kulturelle Formen der Gewalt können einen Hund stark belasten, indem sie ihm Angst einflößen oder durch soziale Normen gefördert werden.
Evidenzbasiertes Hundetraining
Die Hundetrainerin Cassandra Schiller erklärt, dass evidenzbasiertes Training darauf beruht, neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu integrieren. Alte Theorien wie die Dominanztheorie sind widerlegt, jedoch kursieren sie noch immer in vielen Hundeschulen.
Herausforderungen und Vorteile
Maria Rehberger, Hundetrainerin, beschreibt, wie gewaltfreies Training effektiv Grenzen setzen kann, ohne dass der Hund alles darf. Im Vergleich zur Kindererziehung wird betont, dass auch Hunde respektvoll und ohne Gewalt behandelt werden sollten.
Das Hundegehirn als Cockpit
Der zertifizierte Hundetrainer und Autor Michael Moser erklärt, wie Neurobiologie, Emotionen und Training zusammenwirken. Mit seinem anschaulichen Cockpit-Modell macht er deutlich, dass Hunde in überfordernden Situationen nicht stur handeln, sondern unbewusst von ihrem „Alarmpiloten“ gesteuert werden, weshalb der Mensch sie als „Tower“ sicher durch den Alltag lotsen muss.
Key Takeaways
- Gewalt beginnt nicht nur bei körperlichen Handlungen, sondern auch bei psychischer Beeinflussung.
- Evidenzbasiertes Hundetraining berücksichtigt aktuelle Forschung und verwirft widerlegte Theorien.
- Auch gewaltfreies Training setzt Grenzen und erfordert Führung durch den Halter.
Transkript anzeigen
00:00:01: Herzlich willkommen zum Podcast zu Buchmesse in Frankfurt.
00:00:03: Heute geht es um Hunde, genauer gesagt um die Frage wie wir sie erziehen.
00:00:07: Zur Gast ist der Kühnungsverlag.
00:00:08: Er wurde neunzehntetachzig gegründet und hat rund zweihundertfünfzig Lieferbarartite zur Erziehung, Verhalten und Gesundheit von Hunden und gilt unter Hundeprofise als der Fachverlag schlechthin.
00:00:17: Hinter dem Verlag steht die Kühnersstiftung – Hunde helfen Menschen!
00:00:21: Sie unterstützt die Ausbildung fahren Assistenz-Hunden für Menschen mit Handicap und die Forschung dazu.
00:00:26: Die Idee zur aktuellen Kampagne Gewaltfreie Evidenz basiert entstand aus der Wahrnehmung, dass im Hundetraining heute leider ein Rückwärtstrend zu schon überwunden geglaubten härtere Methoden zu beobachten ist.
00:00:35: Als da noch vier AutorInnen beinahe zugleich Manuskriptes zum Thema Gewalt in der Hundeerstehung einreichten jede und jeder aus einer ganz eigenen Perspektive war die Idee geboren.
00:00:44: Wir starten eine Kampanie.
00:00:45: Genau diese vier Perspektiven hören wir heute.
00:00:48: Es geht darum warum gutes Hundetrainig ohne Härte aus kommt Warum das trotzdem kein Freifahrtsschein ist Und was sie Forschung dazu sagt.
00:00:55: Unser erster Gast ist Dr.
00:00:56: Sandra Volthien.
00:00:58: Sie ist Psychologin, Biologin und Juristin.
00:01:00: Sie hat Psychologie und Jura in den USA studiert, in Biologie promoviert und bildet seit vielen Jahren Mensch- und Hundteams aus für tiergeschützte Arbeit.
00:01:08: Ihr Buch in der Kampagne heißt Macht, Nähe, Gewalt Der blinde Fleck im Umgang mit den Hunden.
00:01:12: Sandra, schön dass du da bist
00:01:14: Dankeschön!
00:01:15: Schön das ich hier sein darf.
00:01:16: Natürlich
00:01:17: Bei Gewalt gegen Hunden denken die meisten direkt an Schläge oder Tritte.
00:01:20: Wo beginnen denn die Gewalt für dich?
00:01:23: Also, wie ich in meinem Buch auch aufgeführt habe.
00:01:25: Gewalt ist ganz vielfältig und das macht das Thema auch so schwierig aber auch so interessant denn gerade die Gewalt, die wir nicht sehen oder nicht so wahrnehmen.
00:01:39: also nehmen wir zum Beispiel psychische Gewalt.
00:01:42: ja dass Hunde Angst gehalten werden oder so trainiert werden, dass sie sich fürchten vor ihrem Halter.
00:01:52: Vor dem Trainer vielleicht sogar schon vor dem Ort auch
00:01:56: das ist
00:01:57: Gewalt.
00:01:58: und bis hin zu kultureller Gewalt beispielsweise wo wir dann auch sehen wie häufig auch wir als Halterinnen manipuliert werden durch soziale Medien durch Dinge die wir auch unter anderem im Fernsehen und von denen wir dann annehmen, dass das der Weg ist wie Mann.
00:02:20: Wie wir mit unserem Hund umgehen müssten!
00:02:25: Und auch das führt zu ganz versteckter Gewalt die dann durch den Hunde haltenen, die Hundehalten da ausgeübt
00:02:33: wird.
00:02:34: Auf jeden Fall.
00:02:35: Was sorgt dafür, dass sowas im Alltag als normal gilt?
00:02:37: Und welche Rolle spielen dabei die Medien?
00:02:40: Das es als Normal gilt... basiert darauf, dass wir es immer wieder sehen und kaum noch wahrnehmen im Sinne von Es ist so alltäglich.
00:02:51: Ich habe im letzten Buch gesagt die kleinen Gewalttätigkeiten des Alltags Und das ist das!
00:02:58: Das nicht nur Fremde also Außenstehende das gar nicht mehr so sehen oder benennen sondern auch wir selber in einer gewissen Achtlosigkeit, das bei unserem eigenen Hund nicht mehr wahrnehmen.
00:03:12: Weil es so natürlich geworden ist.
00:03:15: Weil etwas ist, dass muss der Hund aushalten und gehört dazu.
00:03:21: Das ist im Alltag mit eingebaut.
00:03:25: Und die meisten würden wahrscheinlich auch sagen, das kann mein Hund und das macht dem nichts.
00:03:32: Was kann jeder Hundehalterin oder jeder Hunderhalter tun, um seinen eigenen Umgang ehrlich zu hinterfragen auch?
00:03:38: Ich glaube ganz wichtig ist einfach noch mehr Fachwissen.
00:03:43: Noch mehr Sachkunde, Dinge reflektieren und das ist mir ganz wichtig auf das eigene Bauchgefühl hören.
00:03:52: wenn wir das Gefühl haben dass es irgendwie nicht in Ordnung dann wird das in der Regel auch so sein denn wir kennen unseren Hund am besten und ein schlechtes Bauchgefühl hat eine Basis in der Biologie, also das kommt nicht von nichts.
00:04:08: Und deswegen sage ich immer wenn so etwas ist darauf hören uns selbst vertrauen auch wenn es ganz schön schwierig wird.
00:04:16: denn um auf die letzte Frage zurückzukommen was es auch oft für den einzelnen so beschwerlich macht ist eben auch dieser Gruppendruck ob's jetzt durch die sozialen Medien ist wo diese Gewalt Aber mit weicheren Worten vorgelebt wird oder aber auch auf dem Hundeplatz, wo ganz häufig die Menschen, die nicht mitmachen möchten ja nicht unbedingt gemobbt werden.
00:04:44: Aber durchaus ausgegrenzt werden und ich glaube das kennen ganz viele Hunderhalterinnen.
00:04:50: Ja, auf jeden Fall!
00:04:51: Vielen vielen Dank liebe Sandra für die ganzen Informationen und dann würde ich auch direkt den nächsten Gast reinholen.
00:04:56: Danke
00:04:56: schön!
00:04:58: Unser zweiter Gast ist Cassandra Schellan.
00:05:00: Sie ist Polizeibeamtin, Hundetrainerin und Verhaltensberaterin und hat in Berlin die Hundeschule Doxy Tozin mitgegründet.
00:05:06: Ihr Buch heißt Keinen Platz für Gewalt wenn Traininghunden Angst macht.
00:05:10: Cassandra herzlich willkommen!
00:05:11: Hallo
00:05:12: Die Kampagne heißt gewaltfreie Evidenzbasiert.
00:05:14: Was bedeutet evidenzbasiertes Hundertraining?
00:05:16: einfach erklärt?
00:05:17: Einfach erklärt bedeutet evidenzbasierte Hunderttraining dass wir uns nicht nur auf das verlassen was uns mal erzählt wurde oder was wir schon ganz lange machen Und dass wir beginnt so hinterfragen, wo unser Wissen oder das was wir zu wissen glauben eigentlich herkommt.
00:05:34: Wir haben seit Jahrzehnten mittlerweile unfassbar viel Forschung zum Bereich Hunde und wissen ganz, ganz viel mehr über Hunde als noch vor zwanzig, dreißig oder fünfzig Jahren.
00:05:46: Und evidenzbasiert bedeutet, dass wir dieses Wissen, das wir dazu gewinnen auch nutzen in unserem Training und Alltag.
00:05:52: Wir wissen beispielsweise heute, dass Hunde ein unfassbar komplexes Emotionssystem haben.
00:05:58: Wow!
00:05:59: Und wir sind vor ein paar Jahren noch davon ausgegangen, dass die Hunde eher Reizreaktionsmaschinen sind.
00:06:03: Das ist zwar schon ein paar Jahrzehnte her... Aber es ist genau diese Entwicklung, die wir mitmachen müssen.
00:06:09: Und nur weil etwas funktioniert hat, ist das noch lange nicht gut.
00:06:13: Das heißt, wir sollten uns an der Forschung orientieren zumindest als Fachpersonen auf keinen Fall von Hunderhalterinnen zu erwarten.
00:06:20: Aber als Fachpersonen aus jedem Bereich sollten wir uns an den Forschungsorientieren auf dem laufenden bleiben und uns permanent selbst reflektieren.
00:06:29: Das sehe ich auch so.
00:06:31: Welche Vorstellungen aus dem Hundetraining begegnen dir denn immer wieder, obwohl sie schon längst widerlegt sind?
00:06:36: Ganz ganz ganz viele!
00:06:38: Und Sie alle oder nahezu alle haben im Grunde denselben Ursprung nämlich seit den zweitausendern oder neunzig Jahren nicht ganz sicher gerade widerlegte Dominanztheorie.
00:06:50: Es war damals so dass dieses Experiment oder diese Beobachtung liegt schon etwas länger zurück und das Wölfe in Gefangenschaft zusammengestellt wurden Also eine Gruppe gebildet haben und kein Rudel, also keinen Familienverband wie sie in der Freien Wildbahn leben würden.
00:07:04: Sondern einen ohne eigenen Einfluss darauf gehabt zu haben zusammengewürfeltes Rudel.
00:07:09: Und dann hat man an diesen Wölfen Wolfsverhalten beobachtet.
00:07:14: Das natürlich so wenig war, wie es nur irgendwie ging.
00:07:17: Und weil von Wölfe als auch Runde der Gruppe der Kaniden angehörten, hat man das einfach auch noch auf Runde übertragen.
00:07:24: Und tatsächlich hat einer der Menschen, die damals maßgeblich verantwortlich waren für die daraus entstandene Dominanztheorie David Meach nämlich selbst erkannt was für massive Fehler in dieser Beobachtung stecken und hat zwanzig oder dreißig Jahre lang selbst versucht seine Veröffentlichungen dazu wieder vom Markt zu nehmen weil sie falsch ist.
00:07:43: Oh wow!
00:07:44: Und war wirklich also über Jahrzehnte, ne?
00:07:45: War ja erfolgreich bis es dann endlich geschafft hat.
00:07:47: und auf genau diese Dominanz Theorie basieren ganz ganz viele... Ausgedachte Konzepte, die es heute noch gibt über Statusaggressionen, Kumentkämpfe, Demotsverhalten bei Hunden.
00:08:00: Im Grunde absolut alles was irgendwie damit arbeitet in Anführungszeichen dass Menschen und Hunde in einem asymmetrischen Machtgefälle sind.
00:08:09: also alles wo es darum geht das Trainerinnen Kundinnen vermitteln wollen oder Hundehalterin vermittelt wollen sie müssten Kontrolle über ihren Hund ausüben oder auch der Hund wolle sie kontrollieren Das ist mir ganz wichtig nebenbei.
00:08:21: Ja, Hunde möchten Kontrolle und zwar über ihr eigenes Leben unterleben und nicht über den Menschen.
00:08:26: also alles was irgendwie in diese Richtung geht ist Quatsch!
00:08:29: Total spannend.
00:08:30: aber auch man hört ja immer total viel aus verschiedenen Ecken auch von Freunden mit Hunden oder so.
00:08:35: das ist dann bestimmt für euch ja auch etwas frustrierend
00:08:38: absoluten und es ist ein erster Linie deshalb frustrierender.
00:08:40: die Menschen also die Hundehalterin Die ja zu Trainerinnen gehen da enorm runter, leiden ganz gut so oft.
00:08:47: Also dem wird der so viel Quatsch beigebracht.
00:08:48: Erst mal werden die in diesen Balance- oder Aversivtraining Settings... also wie man es auch nennen möchte, Balance und Aversif meint das gleiche?
00:08:55: Ja, niemand kann rein Aversive arbeiten genauso wenig wie wir rein positiv arbeiten können.
00:09:00: Das ist QuatsCH!
00:09:01: Aber an diesen Aversivesettings ist es ebenso, dass Verhalten gehemmt wird.
00:09:06: Und wenn's nicht klappt oder der Hund mit Aggression drauf reagiert.
00:09:10: Das kann auch passieren, wenn man versucht zu hemmen, dass er sagt nicht mit mir und das ist eigentlich eine total nachvollziehbare Reaktion.
00:09:15: Ich würde ähnlich reagieren wahrscheinlich... Also der Hundehalter oder die Hunde Halterin dafür verantwortlich gemacht wird?
00:09:22: Und es fühlt sich natürlich schlecht an weil die Hunderhalterinnen in diesen Settings ganz oft das Gefühl haben sie machen's nicht richtig Sie bemühen sich nicht genug, sie sind nicht genug.
00:09:29: Sie stehen nicht gerade genug Oder sie strahlen nicht die richtige mysteriöse Energie aus oder irgendwas.
00:09:36: Und das ist furchtbar und die Hunde leiden auch ganz, ganz stark drunter.
00:09:38: Weil diese Art des Trainings an Anführungszeichen einfach nur Verhaltenshemmung ist.
00:09:43: Ich bin der Auffassung, dass wer Verhalten hemmen muss und keine andere Lösung bei ist.
00:09:47: Hier will ich nicht wieder im Bereich der Fachperson.
00:09:50: Selbst Diensthunde etwa für die Sprengstoffsuche werden zunehmend belohnungsbasiert ertrainiert.
00:09:55: Warum kommt das in vielen Hundsschulen trotzdem nicht an?
00:09:58: Man muss erst mal sagen, dass auch dieser Bereich – obwohl er auch wissenschaftlich mittlerweile immer stärker untersucht wird.
00:10:02: Es gibt Studien beispielsweise die zeigen das auch im Dienstraum gewesen oder ich glaube im Militär war es.
00:10:09: Ich bin mir gar nicht mehr ganz sicher wo das untersucht wurde.
00:10:12: Belohnungsbasierte Trainingsmethoden nachhaltiger und effektiver sogar als straffbasierte Training Methoden.
00:10:18: Warum kommt das nicht an?
00:10:20: Das ist eine ausgezeichnete Frage, ne?
00:10:21: Ich glaube es gibt ganz viele Antworten darauf.
00:10:24: Zum einen mal aus Sicht der in Anführungszeichen Fachperson die Strafe einsetzen.
00:10:29: ich glaube das ist erst einmal wirtschaftlich interessant.
00:10:33: Ich muss natürlich wenn nicht wirklich individuell mit dem Hund arbeite und zu strafen ist kein individuelles Training niemals niemand möchte gestraft werden.
00:10:45: Wenn ich individuell mit unten arbeiten möchte, dann hab' ich beispielsweise auch in Gruppenkursen eine relativ kleine Gruppe.
00:10:51: Und wenn man mal in die Avasifunde schon reinguckt da sind zum Teil wirklich gigantische Gruppen.
00:10:55: also da hat man dann auch mal siebzehn, achtzehn und zwanzig Teams in einer Gruppe und ich glaube das kann man sich dann selber durchrechnen oder?
00:11:03: Dann ist es natürlich einfach öffentlichkeitswirksamer.
00:11:07: Hunde, die an der Leine vollkommen eskalieren ziehen natürlich viel mehr Betrachter an als Hunde.
00:11:12: Die total entspannt sind.
00:11:15: Da wird dann immer gerne gesagt, der Hund hat ja gar kein Problem und das ist ein einfacher Hund, obwohl die Wahrheit ist dass wir mit dem Hund einfach so arbeiten, dass er gar nicht ausrastet was eigentlich das Trainingsziel ist.
00:11:24: Aber wenn man's dann erreicht und gerade auf Social Media und Social Media sollten wir gar nicht unterschätzen generiert sowas Klicks.
00:11:31: Und wenn man dann dieser in der Leine hängende Hund oder auch nicht nur in den sozialen Medien, auf dem Fernsehen beispielsweise haben wir das so unfassbar viel.
00:11:40: Dass die Hunde immer der Problemhund sind, immer der Stuhr-Hund sind.
00:11:46: Charakterstark höre ich oft.
00:11:48: Ja, Charakter stark auch schön!
00:11:51: Und eigentlich ist das immer nur ein Hinweis darauf, dass man gar nicht genau guckt was eigentlich die Ursache fürs Verhalten ist.
00:11:56: Aber es ist natürlich interessanter.
00:11:58: also es gibt ja auch ganz viele psychologische Aspekte hier bei Menschen warum man das lieber anguckt und das macht natürlich auch irgendwie etwas mit dem Selbstwertgefühl.
00:12:06: vielleicht wenn man sich dann da doll profilieren kann weil ich mal mit so einem Rottweiler an der Leine ausraste und du kriegst ihn irgendwie gedeckelt und kriegste ihn hin dann bist du natürlich krasser Typ irgendwie erstmal.
00:12:18: Das ist nichts zu unterschätzen glaube ich.
00:12:19: Das ist wirklich gar nicht zu unterschätzen.
00:12:22: Und dann darf man auch nicht vergessen, es gibt ja viele Fachpersonen die seit vielen Jahrzehnten auch schon in der Branche arbeiten und die zu einer Zeit angefangen haben als man viele Erkenntnisse, die man heute hart noch nicht hatte.
00:12:35: Was würde es bedeuten wenn sie plötzlich ihr Lebenswerk selbst infrage stellen müssen?
00:12:41: Ja
00:12:42: da muss man selber charakterstark sein.
00:12:45: Also ich glaube es gibt noch unzählige Gründe mehr jetzt, die dich gerade genannt habe aber Das ist schon relativ relevante, gar nicht so selten.
00:12:52: Wir müssen uns sein könnten!
00:12:54: Wer mehr
00:12:54: wissen will muss halt das Buch dann auch lesen.
00:12:57: Vielen
00:12:57: vielen Dank für diesen interessanten Infokassantra und dann würde ich direkt an den nächsten Gast mit reinholen.
00:13:02: Unser nächster Gast ist Maria Rehberger.
00:13:04: Sie ist seit über zwanzig Jahren Hundetrainerin, arbeitet viel mit schwierigen Hunden und ist außerdem psychologischer Coach für Menschen.
00:13:10: Ihr Buch heißt Kommunizieren, Konditionieren und der ganze Rest.
00:13:13: Hundetrainung in Beziehung gesetzt.
00:13:15: Maria schön dass du da bist
00:13:17: Hallo, schön dass ich da sein darf.
00:13:19: Sehr
00:13:19: gerne!
00:13:20: Viele verbinden gewaltfreies Training mit einem Hund der alles darf.
00:13:23: Wie sieht das in der Praxis denn wirklich aus?
00:13:25: Ja, das ist ganz häufig tatsächlich ein Satz den man so zu hören bekommt Stimmt natürlich gar nicht.
00:13:31: Natürlich auch Hunde die Gewaltfrei erzogen werden Grenzen.
00:13:34: Aber es ist ja einen Unterschied wie man sie halt setzt Und Ich persönlich lebe mit zwei Terriern zusammen und ich kann dir eines sagen wenn du denen keine Grenzen setzt dann wirst du mit Fackeln und Missgabeln aus dem Dorf gescheucht.
00:13:48: Gut beschrieben!
00:13:51: Genau, deswegen ist es einfach die Frage wie macht man das?
00:13:54: Und ich vergleichse wirklich auch immer gerne mit der Kindererziehung Aus dem einfachen Grund.
00:13:59: Niemand würde heute hoffentlich mehr unterschreiben, dass es voll in Ordnung ist, einem Kind eine Urweige zu geben.
00:14:05: Aber ja auch da weiß ich.
00:14:07: Das sind manche Leute anderer Meinung aber wir sind da einfach in der Kindererziehung schon ein bisschen weiter.
00:14:12: Auch was den Gewaltbegriff betrifft und bei Hunden hinken war halt immer so hinterher.
00:14:18: Begriffe wie artgerecht oder Führung klinge erstmal harmlos.
00:14:22: Worauf sollten Hunderhalterinnen achten wenn eine Hundeschule damit auch wird?
00:14:27: Bei dem Thema Artgerecht geht es ganz oft darum, dass so gesagt wird.
00:14:32: Hunde untereinander tun das auch so und deswegen ist es in Ordnung mit dem Hund umzugehen.
00:14:37: Und es beruht halt ganz oft auf völlig falschen Beobachtungen.
00:14:41: weil wenn ich mir zum Beispiel meine Hunde miteinander anschaue die eine Bindung zueinander haben hier miteinander leben, die sich mögen... Meine Hunde sind sehr zimperlich miteinander Die versuchen Konflikte friedlich zu lösen.
00:14:55: Da geht keiner hin, drückt den anderen auf dem Boden oder setzt sich da brutal durch?
00:15:00: Das machen die nicht miteinander und deswegen das... Oder auch die Mutterhündin wird gerne rangezogen.
00:15:05: Dass eben ja die Mutter Hündin macht auch ein Schnauzgriff beim Welpen.
00:15:09: Naja!
00:15:10: Ganz ehrlich, erstens bin ich keine Mutter hin.
00:15:12: Zweitens habe ich keine Schnauze.
00:15:13: Also dann fragt es ja schon und was auch eben noch ein Riesenproblem ist das ganz viel sehr feine Kommunikation vorher schon abläuft die wir gar nicht nachmachen können.
00:15:23: Das stimmt.
00:15:24: Und das sind alles so Sachen wo man echt ein bisschen aufpassen muss.
00:15:28: und dieses Führungsthema natürlich brauchen Hundene Führungen.
00:15:32: aber der Begriff ist in Deutschland leider so ein bisschen einseitig, konnotiert sage ich jetzt mal.
00:15:39: Im Englisch ist es anders im Englischen haben wir zwei Begriffe Liedership und Guidance.
00:15:44: Und Guidance ist das was wir mit Hunden tun sollten also quasi an die Pote nehmen und sie durch die Menschenwelt für die sie halt nicht gemacht sind durchzuführen eigentlich so'n bisschen wie einen Fremdenführer.
00:15:55: ganz ehrlich wenn fremdenführern mich schubst
00:15:59: Da hab ich auch kein Bock mehr.
00:16:00: Nee,
00:16:01: nenne aus.
00:16:01: Stimmt!
00:16:02: Aber geil
00:16:02: ist das dann eine sehr schöne Anekdote.
00:16:05: Erzähl uns doch gern mal von einem Hund bei dem du gesehen hast was gewaltfreies Training verändern kann?
00:16:10: Ich habe eine Terrierhündin ins Training bekommen die leider ein bisschen Pech hatte.
00:16:15: Die Menschen haben halt wie es bei den Terrieren oft so der Fall ist gelernt dass ein Terrier eine harte Hand braucht weil sonst reißt er die Weltheirschhaft an sich.
00:16:27: und wir haben wirklich Es gut gemeint im Sinne von, sie wollen, dass dieser Hund kontrollierbar ist und bleibt.
00:16:34: Und haben deswegen von welpen Beinen an sehr evasiv mit ihr gearbeitet?
00:16:38: Was dazu geführt hat, das dieser Hund Thema-mit-fremden Menschen hat sich nicht anfassen lässt auch vom Tierz und sowas nicht.
00:16:45: Dass dieser Hund ein Thema mit fremden Hunden hat auf andere Hunde losgeht attackiert.
00:16:50: Und dass der Hund sogar seine eigenen Menschen attackiert weil sie halt immer wieder die Erfahrung gemacht hat, Und wir haben dann angefangen zu trainieren und sie hat mich am Anfang auch nicht sie anfassen lassen.
00:17:03: Und nach unserer fünften Einheit kamen Sie her, ich bin so in die Hocke gegangen Ich habe sie nicht angefasst weil ich einfach auch ihre Individualdistanzen respektieren kann.
00:17:11: Dann ist sie mir mit den Vorderpfötchen aufs Knie geklettert und hat mir ein Küsschen gegeben.
00:17:16: Das war das beste Feedback, dass man kriegen kann.
00:17:18: Genau!
00:17:18: Wenn ich einfach sehe was es mit Hunden macht wenn anständig zu denen ist, wenn man einen freundlichen Umgang, fairen Umgang mit denen hat und eben nicht dauernd auf Konfrontation aus ist.
00:17:31: Das ist was, glaube ich, was viele Menschen leider gar nicht erleben weil sie doch immer wieder mal der Meinung sind.
00:17:38: Da muss man aber schon und dieses und jenes.
00:17:41: Und das finde ich eigentlich sehr schade, weil das ist das, was ich mir wünschen würde dass viel mehr Menschen ein Leben mit Hund haben können so wie es ich mit meinen Hunden habe, was einfach schön ist
00:17:51: Voll.
00:17:52: Das ist ein ganz, ganz schöner Input!
00:17:54: Vielen, vielen Dank!
00:17:55: Da haben wir es auch schon geschafft und dann hole ich direkt den nächsten Gast rein.
00:17:58: Wunderbar!
00:17:59: Alles war toll!
00:17:59: Danke dir!
00:18:01: Unser nächster Gast ist Michael Mosa.
00:18:03: er ist IT-Experte, Reservist der Bundeswehr und zertifizierter Hundetrainer.
00:18:07: Zum Hundetraining kam er über seinen eigenen Hund.
00:18:09: Daraus sind sein Tiffee, Canon System und sein Buch das Gehirn an der Leine wie Neurobiologie, Emotionen- und Trainingszusammenwirke entstanden.
00:18:16: Michael, herzlich willkommen!
00:18:17: Ja hallo, vielen Dank für die Einladung.
00:18:19: Ich bin sehr froh dass du da bist.
00:18:20: Du bist ja bei deinem einen Hund zum Hundetrainning gekommen.
00:18:23: Wie hat es denn so angefangen?
00:18:24: Unfreiwillig!
00:18:27: Oh!
00:18:27: Herzlich mal!
00:18:28: Ich habe mir mit meinem Wolfhund nicht unbedingt den einfachsten Hund als ersten Hund zugelegt Und man wird den klassischerweise als sehr stur oder auch selbstständig beschreiben.
00:18:40: Und ich hatte in meinem Umkreis leider niemanden, der mir so den richtigen Umgang mit dem Hund zeigen konnte und bin dann einfach über Social Media eben auf die Menschen Aufwechslung geworden, die mich heutzutage noch sehr groß oder sehr bekannt dort antrifft und habe mir das aufgrund dessen dass ich ihn nicht belohnen konnte weder mit Spielen noch mit Futter draußen, mir dann auch einreden lassen, Nicht ganz so netten Umgang mit Strafen und Korrekturen braucht damit der Hund funktioniert in unserer Welt.
00:19:09: Und das hat solange funktioniert, solange wir sehr abseits- oder ländlich gewohnt haben weil ich den meisten Problemen also anderen Hunden oder was auch immer aus dem Weg gehen konnte als ich dann in die Stadt gezogen bin oder in eine Kleinstadt gezogen habe.
00:19:21: Hat das nicht befunktioniert?
00:19:22: Weil ich konnte im Problem nicht mehr aus dem weggehen!
00:19:24: Für mich gab es zwei Optionen entweder Ich packe den Hund jeden Tag ins Auto ein fahre irgendwo in den Wald und mache das zu oder drei Mal am Tag Oder aber Ich schaue mal, was man den sonst noch machen kann.
00:19:35: Und das hat mich dann darauf gebracht, dass ich eben mich daran wende wie werden die Hunde aufgebaut, die funktionieren müssen?
00:19:41: Da reden wir dann von Assistenzhunden und Diensthunden, von Rettungshunden und haben mir auch angeschaut, wie oder was weiß die Wissenschaft denn eigentlich... ...und all das habe ich gesammelt über die vergangenen Jahre und dann eben ein anschauliches Modell verpackt.
00:19:56: Sehr cool!
00:19:57: Das hört sich tal an.
00:19:58: Du vergleichst ja auch im Buch des Gehirn des Hundes mit einem Cockpit.
00:20:01: Erklär uns mal dieses Bild.
00:20:03: Also ich habe das Bild deswegen gewählt, weil es für Otto-Normalhundehalterin halt super verständlich ist.
00:20:09: Mir war wichtig dass sich Momente die uns so im Hundealter oder im Alltag mit Hund verständig machen kann und da hat sich dann für mich dieses Bild von dem Flugzeug der Hundes quasi des Flugzeugs wenn man's draußen sieht.
00:20:22: wir sind ein Tauer und leiten den Hund durch unsere Welt die ja durchaus nicht für einen Hund gemacht ist Und hab dann gesagt, okay was haben wir denn?
00:20:31: Wir laufen die Prozesse im Hirn ab.
00:20:33: Mittlerweile können wir auch dank Studien sehr gut ins Hundegehirn reinziehen und haben ja auch Studien am Hunde hier selbst.
00:20:39: Ja!
00:20:39: Und habe da verschiedene Rollen entwickelt.
00:20:42: Da haben wir unter anderem eben den Kapitän- und Diener Lampilot.
00:20:45: Ich werde mich jetzt hier im Zuge des Podcasts auf die beiden versteifen weil das sind die uns tagtäglich am ehesten auffallen.
00:20:52: Zum einen haben wir den Kapitän, der flexible Entscheidungen treffen kann.
00:20:56: Das ist ganz normal wenn ich den Hund rufe und er dreht sich zu mir um und kommt her... ...dass es dann quasi jeder Kapitäne am Steuer ist.
00:21:02: da hat der Hund gelernt Ich werde gerufen hier kommen lohnt sich.
00:21:05: auf der anderen Seite haben wir die Alarm-Piloten.
00:21:07: das ist dann eher so die Richtung Amygdala die sich darum kümmert sehr interessante Reize egal ob jetzt positiv oder negativ für den Hund rauszufüllen denn es kann seinen Hase oder auch der Erzfeind immer über dem Weg läuft.
00:21:19: Und das ist dann ein Moment, den wir vermutlich als Hunde halt alle kennen.
00:21:22: Du rufst deinen Hund und er steht aber da erstarrt und blickt eventuell in die Richtung des anderen Erzweines oder des anderen Hundes und es reagiert auf gar nichts mehr.
00:21:30: Um das Bild anschaulich rüberzubringen habe ich eben dieses Modell entwickelt damit man dann im Alltag sagen kann ah!
00:21:36: Ich verstehe der Hund hört mich nicht oder kann gerade nicht reagieren weil der Alarm viel gut übernimmt und somit hab' ich einfach einen anderen Blick auf den Hund.
00:21:42: Das
00:21:43: ist total spannend.
00:21:44: Wie hat denn dieses Verständnis bei deinem eigenen Hund was verändert?
00:21:47: Das ist eine komplette Lehmung.
00:21:49: Ein
00:21:50: komplett anderes Zusammenleben, mein Hund ist nicht mehr stur sondern ich weiß er kann es gerade nicht leisten.
00:21:54: Es liegt an mir dass ich ihm jetzt einen sicheren Landeweg ermöglichen, das heißt eventuell die Ablenkung verringere Und ich bin ja als Tauer, als Fluglose dafür da, dass sich den Hund sicher durch eben solche Situationen durchleite.
00:22:09: Und durch dieses Verständnis was ich da entwickelt habe und das ich auch weitergeben möchte ist auch das komplette Zusammenleben einfach wesentlich angenehmer geworden wird weil der Hund nichts mehr macht weil er mich ärgern will sondern weil er es gerade nicht anders leisten kann.
00:22:21: Das heißt ich hab schon einen anderen Blick auf den Hund und des Endegebnisses ist, dass ich jetzt ein Hund hab, der sich auf mich verlassen kann Und andersrum, ich auch ein Hundeb auf den ich mich verlassen kann.
00:22:29: Weil er selbstständig flexibel gute Entscheidungen treffen kann weil ich ihn nämlich langsam an diese Entscheidungen heranführe.
00:22:35: Ja
00:22:35: das ist ein total schönes Bild!
00:22:36: Vielen vielen Dank für den Input und wer da mehr wissen will muss auf jeden Fall das Buch in die Hand nehmen.
00:22:40: Ich sag dankeschön und bitte kauf des Buchs.
00:22:43: Ja macht es.
00:22:44: Vielen vielen dank.
00:22:45: das war richtig cool.
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